Vielgestaltiges Arbeitsgespräch im Ministerium

Eine Vielzahl verschiedener Themen haben die Vertreter der Dachorganisation der Heilmittel-Verbände Rheinland-Pfalz (DOH-RP) e.V. am 18.02.2019 in einem Arbeitsgespräch mit dem Ministerium für Soziales, Arbeit, Gesundheit und Demografie des Landes Rheinland-Pfalz erörtern können. Vertreten war auch das Ministerium für Wissenschaft, Weiterbildung und Kultur.

Die Fachkräftesicherung in den Gesundheitsfachberufen ist ein Schwerpunkt der rheinland-pfälzischen Landesregierung. Neben einer angemessenen Vergütung sind Themen wie Schulgeld und Ausbildungsvergütung, Novellierung der Berufsgesetze und Akademisierung deshalb wichtige Themen und Handlungsfelder. Auch der 2017 vom Land verabschiedete Rahmenlehrplan und Ausbildungsrahmenplan in der Physiotherapie wird für eine verbesserte Ausbildung in den Berufsfachschulen sorgen. Langfristiges Ziel der Vertreter der Gesundheitsfachberufe ist eine primärqualifizierende akademische Ausbildung, um den zukünftigen Herausforderungen im Gesundheitswesen besser gerecht werden zu können.

Laut Branchenmonitoring fehlten 2015 bereits 1.134 Physiotherapeuten dem rheinland-pfälzischen Arbeitsmarkt. Die Nachfrage wird wegen der demographischen Entwicklung immer mehr steigen, die Lücke immer größer, wenn keine weiteren Fachkräftesicherungsmaßnahmen auf den Weg gebracht werden. Wichtiger Ansatzpunkt der Fachkräftesicherung ist die Schaffung von Schulgeldfreiheit. Hier ist das Land Rheinland-Pfalz beispielhaft in seinen Bemühungen. Die Berechnungen im Branchenmonitoring und entsprechende Gutachten prognostizieren, wie viele Ausbildungsplätze notwendig sind, um die zukünftigen Bedarfe zu decken. Der Ausbildungsstättenplan Gesundheitsfachberufe 2018-2020 wird zurzeit erstellt und liegt den Beteiligten zur Stellungnahme vor. Die Aufnahme von mit Krankenhäusern verbundenen Fachschulen in den Ausbildungsstättenplan ist Voraussetzung für die schulgeldfreie Ausbildung der Gesundheitsfachberufe an diesen Häusern und die Refinanzierung der Ausbildungskosten durch die Krankenkassen. Grundlage ist das Krankenhausfinanzierungsgesetz (KHG). Wurden im Schuljahr 2016/17 bezogen auf die Physiotherapie 926 KHG-finanzierte Ausbildungsplätze vorgehalten, so sollen dies 2021/22 dann 1556 Plätze sein. Ziel der Bemühungen ist es, den prognostizieren Ausbildungsbedarf von 1.706 Plätzen langfristige ohne sog. Kapazitätsreserve decken zu können. Die Vertreter der Dachorganisation sind erfreut über die Bemühungen des Landes. Gespannt darf man sein, ob es nun auch in der Zukunft genügend Bewerber geben wird und diese Ausbildungsplätze auch besetzt werden können. Gleichzeitig plädieren die Verbände dafür, den derzeit noch schulgeldpflichtigen Schulen Möglichkeiten für die Schulgeldfreiheit zu eröffnen.

Die Novellierung des Berufsgesetzes der physiotherapeutischen Berufe steht auf der Agenda des Bundesgesundheitsministeriums, nicht zuletzt aufgrund von Initiativen aus Rheinland-Pfalz und dem Saarland über die Gesundheitsministerkonferenz. Auch die Verbände arbeiten schon gemeinsam an Vorschlägen für die Neufassung von Gesetz und Ausbildungs- und Prüfungsverordnung. Das Ministerium für Soziales, Arbeit, Gesundheit und Demografie des Landes Rheinland-Pfalz hat zugesagt die Dachorganisation der Heilmittel-Verbände Rheinland-Pfalz (DOH-RP) e.V. in die Diskussion des erwarteten Referentenentwurfs einzubeziehen.

Bis zur Schaffung eines neuen Berufsgesetzes nebst Ausbildungs- und Prüfungsverordnung dürften noch Jahre vergehen. Bis dahin soll die Ausbildung in den Berufsfachschulen mit Hilfe des neuen Rahmenlehrplans verbessert werden. Angestrebt wird eine lernfeldorientierte und modularisierte Ausbildung. Der Rahmenlehrplan und Ausbildungsrahmenplan in der Physiotherapie wurde im Auftrag des Ministeriums für Soziales, Arbeit, Gesundheit und Demografie von einer Kommission unter Mitarbeit der Verbände erarbeitet und dem Ministerium zum Umsetzung übergeben. Auswirkungen auf den Prüfungsverlauf sollen noch, so die Beteiligten des Arbeitsgesprächs, geklärt werden, um den Rahmenlehrplan zumindest in Teilen möglichst bald verwirklicht zu sehen. Als unverzichtbar erachten die Vertreter der Dachorganisation einen Anteil von mindestens 20 % Anleitung in der praktischen Ausbildung in der Physiotherapie.

Die Anforderungen an die Gesundheitsversorgung verändern sich täglich, neue Aufgaben kommen auf die Gesundheitsfachberufe zu. Der Therapeut braucht zukünftig ein Verständnis für komplexe Zusammenhänge und interdisziplinäre Kooperation. Am Ende des Veränderungsprozesses muss, so die Dachorganisation, spätestens in 10 bis 15 Jahren eine primärqualifizierende akademische Ausbildung erfolgen, so wie dies in vielen europäischen Ländern schon Standard ist.

Ziel einer akademischen Ausbildung ist neben einer Patientenbehandlung auf aktuellstem Stand des Wissens, die kritische Auseinandersetzung mit bestehenden Therapieformen und die Weiterentwicklung einer effektiven Patientenversorgung. Die Vertreter der DOH-RP bedauern, dass in Rheinland-Pfalz ein Modellstudiengang in der Physiotherapie wohl aus finanziellen Fragen nicht stattfindet. Die fachlichen Vorarbeiten seien schon geleistet.

Das Gespräch an diesem Tag mit Anja Deutscher, die im Ministerium für Wissenschaft, Weiterbildung und Kultur des Landes Rheinland-Pfalz unter anderem für die Akademisierung der Gesundheitsfachberufe verantwortlich ist, zeigte viele interessante Aspekte des Akademisierung aus der Sicht dieses Ministeriums.

Für das Ministerium für Soziales, Arbeit, Gesundheit und Demografie des Landes Rheinland-Pfalz nahmen Heiko Strohbach (Gesundheitsfachberufe, Fachkräfteinitiative Gesundheitsfachberufe) und Frau Alexandra Trautwein teil, von der Dachorganisation der Heilmittel-Verbände Rheinland-Pfalz (DOH-RP) e.V. Dagmar Schlaubitz-Raab (Vorstand PHYSIO-DEUTSCHLAND Rheinland-Pfalz-Saar), Thomas Wecker (Vorsitzender Rheinland-Pfalz Verband Leitender Lehrkräfte an Schulen für Physiotherapie Deutschland e.V. (VLL)), Erwin Hilgert (VPT-Landesvorsitzender Rheinland-Pfalz-

Foto:  die Vertreter der Dachorganisation der Heilmittel-Verbände Rheinland-Pfalz (DOH-RP) e.V. vor dem Ministerium

Dachorganisation der Heilmittelverbände DOH-RP

In der Dachorganisation der Heilmittelverbände in Rheinland-Pfalz (DOH-RP) e.V. haben sich die Landesverbände Rheinland-Pfalz-Saarland der beiden großen Verbände in der Physiotherapie PHYSIO-DEUTSCHLAND und Verband Physikalische Therapie (VPT) zusammengeschlossen, um die Interessen der Heilmittelerbringer weiter zu bündeln. Hinzu gekommen ist der Verband Leitender Lehrkräfte an Schulen für Physiotherapie e.V. Landesgruppe Rheinland-Pfalz (VLL RP). Die Aufnahme weiterer maßgeblicher Verbände aus Physiotherapie; Ergotherapie, Logopädie und Podologie ist angestrebt.

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