Gespräch mit Staatsekretär Dr. Gebhart

Mitte August hatten wir Gelegenheit mit dem Parlamentarischen Staatssekretär beim Bundesminister für Gesundheit Dr. Thomas Gebhart, MdB, zu sprechen. PSt Gebhart ist seit 2009 direkt gewählter Bundestagsabgeordneter des Wahlkreises Südpfalz, wo wir ihn in seinem Büro in Landau/Pfalz besucht haben. Dabei konnten wir eine ganze Reihe aktueller berufspolitischer Themen mit ihm erörtern. Ziel der gemeinsamen Bemühungen ist es, die notwendige Versorgung mit Heilmitteln zu sichern.

Der aktuelle Fachkräftemangel zeigt schon jetzt Auswirkungen auf die Versorgung der Patienten. Das Missverhältnis zwischen Behandlungsbedarf und Fachkräfteangebot wird weiter zunehmen. Zur Gewährleistung der flächendeckenden medizinischen Versorgung bei einer älter werdenden Bevölkerung und steigender Multimorbidität müssen viele Schritte gegangen werden. Um genügend Berufsnachwuchs zu generieren, muss zunächst das Schulgeld für die Ausbildung in den Heilberufen abgeschafft werden. In Rheinland-Pfalz und dem Saarland sind hier schon wichtige Erfolge in der Physiotherapie erzielt worden.

Ebenso konnten wir Herrn PSt Gebhart wichtige Überlegungen aus der Praxis mit auf den Weg geben, die auch die Notwendigkeit neuer Ausbildungsgesetze verdeutlichen. Als dringend sieht die Praxis dabei eine Verbesserung der Ausbildung und eine Ausweitung der Inhalte, wie zum Beispiel die Verankerung des Direktzugangs bereits in der Ausbildungszielbeschreibung. Auch die akademische Ausbildung sollte klar verankert sein.

Eine schulgeldfreie und qualifizierende Ausbildung stellen alleine noch keine ausreichende Grundlage für eine ausreichende Therapeutenzahl dar, wenn die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen nicht stimmen. Die Vergütung der Therapeuten in den Praxen liegt noch weit unter der vergleichbarer Berufe und muss dringend verbessert werden. Dabei konnten wir die Grundlage hierfür erörtern und Herrn PSt Gebhart das Gutachten zur „Ermittlung eines betriebsnotwendigen Stundensatzes in der Physiotherapie“ übergeben (siehe Foto). Die Analyse des Lehrstuhls für Finanzdienstleistungen und Finanzmanagement der Technischen Universität (TU) Kaiserslautern belegt die nach wie vor nicht kostendeckende Vergütung der Physiotherapie durch Krankenkassen. Hieran haben unseres Erachtens auch die Fortschritte nach In-Kraft-Treten des Gesetzes zur Stärkung der Heil- und Hilfsmittelversorgung nicht ausgereicht, wie z. B. bei den Gebührenverhandlungen mit den gesetzlichen Krankenkassen die Obergrenze für ein Verhandlungsergebnis (die Grundlohnsummensteigerung) für die Jahre 2017 bis 2019 auszusetzen. Um die Auswirkungen überprüfen zu können, wurde die Regelung auf drei Jahre befristet. Diese drei Jahre reichen nicht aus, eine angemessene Vergütung unserer Therapeuten zu erreichen. Wir fordern daher eine Abkoppelung von der Grundlohnsumme auch für die Haushaltsjahre ab 2020 mit dem Ziel, auch im ambulanten Bereich dem Öffentlichen Dienst vergleichbare Verdienstmöglichkeiten zu erreichen. Das Gutachten der TU Kaiserslautern belegt unseres Erachtens, dass dies unter den derzeit gezahlten Kassenpreisen nicht möglich ist.

Berichten konnten wir Herrn PSt Gebhart auch über unsere Bemühungen, ein Modellvorhaben zur Blankoverordnung mit den Krankenkassen in Rheinland-Pfalz und dem Saarland zu vereinbaren. Unsere zusammen mit der Hochschule Trier (Prof. Karstens) entwickelten Überlegungen wurden den Kassen vorgestellt. Wir warten nun auf die Antwort der Kostenträger.
Besser als die Blankoverordnung, auch unter Wirtschaftlichkeitsaspekten, wäre nach unserer Meinung aber der Direktzugang, wie er in anderen Ländern bereits eingeführt ist.

Anhand einiger Beispiele aus der täglichen Praxis konnten wir auch verdeutlichen, dass die Verbände der Therapeuten stärker in die Entscheidungen eingebunden werden müssen, die die Heilmittelversorgung betreffen. Wir fordern daher ein Mitsprache- und Vetorecht im Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA).

Interessiert zeigte sich Herr PSt Gebhart auch zum Thema Osteopathie. Schätzungsweise 90 % aller in der Osteopathie ausgebildeten Therapeuten kommen aus der Physiotherapie. Zur rechtlichen Absicherung dieser und zum Schutz der Patienten vor Angeboten nicht qualifizierter Anbieter sollte hier eine Lösung gefunden werden.

Ein insgesamt themenreiches Gespräch mit dem Staatssekretär von dem wir hoffen, viele Aspekte aus der Praxis und rund um eine gute Patientenversorgung mit auf den Weg nach Berlin gegeben zu haben. Herr PSt Gebhart zeigte jedenfalls viel Verständnis für die Situation in der Physiotherapie.


(Foto v.l.n.r.: Erwin Hilgert (VPT-Landesvorsitzender Rheinland-Pfalz-Saar), Dr. Thomas Gebhart, MdB (Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesminister für Gesundheit), Herbert Schneider (Landesgeschäftsführer VPT).

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