Die ersten Schritte sind mit GKV-VSG, GKV-PSG III und GKV-HHVG getan, doch es gibt noch viel zu tun.

Noch sechs Wochen bis zur Bundestagswahl. Aus allen Teilen der Nation prasseln Forderungen, Hoffnungen und Fragen auf die Politik ein. Selbstverständlich gibt es diese auch seitens des Verband Physikalische Therapie (VPT) e.V.. Zwar sind mit VSG und HHVG schon große Schritte in die richtige Richtung erfolgt, aber jetzt heißt es, den Worten auch Taten folgen zu lassen und weitere Maßnahmen zur konkreten Umsetzung von der kommenden Bundesregierung einzufordern.

Der VPT richtet sich mit folgenden fünf Punkten an die politischen Entscheidungsträger in Berlin:

 Wegfall der Grundlohnsummenbindung über die Befristung bis 2020 hinaus 

Das HHVG hat mit dem bis 2020 vorerst befristeten Wegfall der Grundlohnsummenbindung dafür gesorgt, dass der Weg für die Verhandlung angemessener Vergütungen frei ist. Doch der Aufholbedarf bei der Vergütungssituation ist so groß, dass die Dreijahresfrist für einen spürbaren Erfolg in den Kassenverhandlungen zu kurz ist und noch lange nicht die Einkommenssituation unserer Therapeuten verbessert oder gar sichert. Der VPT fordert daher, dass die Grundlohnsummenbindung dauerhaft wegfällt. Schließlich gilt es, den bereits bestehenden Fachkräftemangel aufzuhalten und somit die flächendeckende Patientenversorgung auch langfristig zu gewährleisten und die Altersarmut ausscheidender Therapeuten zu verhindern.

 Vollständige Einbeziehung der Heilmittelerbringer in die Gesundheitstelematik 

Die telematische Vernetzung der Heilmittelpraxen nach § 291 SGB V in Deutschland ist längst überfällig. Allein die elektronische Gesundheitskarte fristet seit ihrer Einführung 1995 ein Schattendasein und die möglichen Funktionen werden kaum genutzt.  Die Einführung eines elektronischen Heilberufeausweises und der Zugriff auf die Fallakte des Patienten tragen maßgeblich zur Verbesserung der medizinischen Entscheidungsfindung und zur Vermeidung von Behandlungsfehlern, zur Reduzierung der Länge und Häufigkeit von Behandlungen und somit letztendlich zu besseren Behandlungsergebnissen bei. Und das wiederum beschert dem Gesundheitssystem signifikante Kosteneinsparungen. Nachbarländer wie Österreich, Dänemark und Finnland sind den Weg Richtung E-Health längst erfolgreich gegangen. Bis 2018 will Deutschland aufholen, und wir werden das im Interesse der Physiotherapeuten und ihrer Patienten engmaschig verfolgen und begleiten.

 Novellierung der Berufsausbildung, Akademisierung und Schulgeldfreiheit 

Attraktive Ausbildungswege, die wahlweise auch eine Akademisierung ermöglichen, machen den Beruf zukunftssicher und damit attraktiv für den dringend benötigten Nachwuchs. Der Wissenschaftsrat hat vorgegeben, dass ca. 20 % unserer Kolleginnen und Kollegen einen akademischen Weg einschlagen sollten. Es müssen neue Qualifizierungs- und Bildungswege geschaffen und entsprechende Strukturen aufgebaut werden, wie es auch die Gesundheitsministerkonferenz im Juni 2017 verstanden hat und bis Ende 2019 einen Aktionsplan für die bedarfsorientierte Ausbildung in den Gesundheitsfachberufen erarbeiten will. Mit der zügigen Novellierung der Berufsausbildungsgesetze muss zwingend auch eine schulgeldfreie Ausbildung sowohl auf akademischer Basis als auch in den Berufsfachschulen eingeführt werden.

 Direktzugang zum Heilmittelerbringer 

Mehr Autonomie der Heilmittelerbringer bei der Leistungserbringung führt zu einer verbesserten Qualität der Versorgung und erhöhter Wirtschaftlichkeit. Dies zeigen Erfahrungen im In- und Ausland. Mit den im HHVG verankerten Modellvorhaben zur weiteren Erprobung der Blankoverordnung für Heilmittel und den aus dem Modellprojekt des VPT mit der IKK Brandenburg und Berlin vorliegenden Ergebnissen zeigt sich nicht nur der Mehrwert für die Patientenversorgung. Der Gesundheitsausschuss des Bundesrats hat sich 2016 schon für die Stärkung des Behandlers ausgesprochen und das Ziel ist, die Gesetze entsprechend zu modifizieren.

 Abbau von Bürokratie und nicht zeitgemäßen Arbeitsbedingungen 

Heilmittelkataloge und –richtlinien sowie Abrechnungsvorgaben und Dokumentationspflichten unterliegen ständigen Überarbeitungen und das Dickicht der Vorschriften wird für den Physiotherapeuten immer undurchdringbarer. Der Zeitaufwand für Rezeptprüfungen und vorgeschriebene Verwaltungs- und Berichtsaufgaben sprengt längst den Rahmen des in einer Praxis Machbaren. Durch die Einführung einer Verwaltungspauschale, den Wegfall bürokratischen Ballastes sowie familiengerechtere Arbeitszeiten und -bedingungen werden die Therapieberufe wieder attraktiver.

Jedem ist bekannt, wie wichtig die therapeutischen Berufe für die Patientenversorgung sind. Nun gilt es, gemeinsam die aufgeführten Punkte umzusetzen und die Heilmittelberufe wieder zu dem zu machen, was sie einmal waren: ein erstrebenswerter und wertgeschätzter Beruf mit Verantwortung und Perspektiven. Denn ohne uns Therapeuten geht es nicht…

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