Ausführlicher Rundumschlag zur aktuellen Berufspolitik - gut besuchte Informationsveranstaltung der DOH RP in Mainz

In einem außergewöhnlichen Ambiente, der Halle eines Obsthofes in Mainz, hatten sich die Teilnehmer auf Einladung der Dachorganisation der Heilmittel-Verbände Rheinland-Pfalz (DOH-RP) e.V. eingefunden, um sich über die aktuelle Berufspolitik zu informieren und die anstehenden Neuerungen zu diskutieren.

Die Vorsitzende der doh, Dagmar Schlaubitz, zugleich Vorstand des Landesverbandes Rheinland-Pfalz-Saar von PHYSIO-DEUTSCHLAND konnte am frühen Abend des 30.10.2019 mehr als 120 Physiotherapeuten und Physiotherapeutinnen begrüßen. Sie ging dann auch gleich auf die aktuelle politische Entwicklung insbesondere die Neuerungen aus dem TSVG ein.

Herbert Schneider, Geschäftsführer der Landesgruppe Rheinland-Pfalz-Saar des Verband Physikalische Therapie (VPT) erläuterte die Situation und die Erfolge um die Vergütung der physiotherapeutischen Leistungen. Die bisher erzielten Steigerungen müssten auch im nächsten Jahr fortgeführt werden, um die Vergütung der Praxen auf ein betriebswirtschaftlich angemessenes Niveau anheben zu können. Wichtig sind dabei gute Argumente für die Verhandlungsführer auf Seiten der Verbände. Diese Argumente müssen durch ein Gutachten untermauert werden. Dessen Wert sei umso höher, umso mehr Mitwirkende ihre Daten bereitgestellt hätten. Alle Teilnehmer wurden daher nochmals dringend dazu aufgerufen, sich am WAT-Wirtschaftlichkeitsgutachten zu beteiligen.

Ausführlich diskutiert, wurden die Vorgaben zur Blankoverordnung, die ab dem 01.01.2021 Teil der Heilmittelversorgung sein wird. Bis dahin stehe noch viel Arbeit in einem engen Zeitrahmen bevor. So müssten z.B. noch die Preisstrukturen für die Behandlungen unter der Blankoverordnung gefunden und Indikationen festgelegt werden. Die Regelungen müssen in Verträgen mit den Krankenkassen münden. Die Blankoverordnung, eine Neuerung wie sie immer von den Berufsangehörigen gefordert wurde, bedeutet dann auch ein mehr an Versorgungsverantwortung für den Therapeuten.

Aus den Reihen der Teilnehmer wurden deshalb auch Bedenken geäußert. So fürchten viele eine Zunahme an Bürokratie durch die mit der Blankoverordnung einhergehenden Dokumentationspflichten oder eine Art Budgetierung der Leistungen. Auch wird es dem Therapeuten dann obliegen, das Ende der Behandlung dem Patienten zu kommunizieren. Vieles hänge letztendlich an der Frage, welche Regelungen zur Vergütung der Leistungen gefunden werden.

Die Vertreter der beiden Verbände versprachen, im kommenden Jahr nach Festlegung der Regelungen zur Blankoverordnung weitere Informationsveranstaltungen durchzuführen, um die Therapeuten an die Umsetzung heranzuführen. Bei allen Bedenken zur Blankoverordnung: viel Applaus erntete eine Kollegin aus den Reihen der Teilnehmer die sagte „ich freue mich auf die Blankoverordnung und auf das Mehr an Möglichkeiten“.

Schneider erläuterte im Weiteren auch die neuen Regelungen im Sozialgesetzbuch, wie die Schaffung eine Schiedsstelle für den Heilmittelbereich, sowie über Altes und Neues zur Wirtschaftlichkeitsprüfung bei den Ärzten, bevor Stephanie Douglas, Geschäftsstellenleiterin des Landesverbandes Rheinland-Pfalz-Saar von PHYSIO-DEUTSCHLAND auf die neue Heilmittel-Richtlinie (HMR) einging, die ab dem 01.10.2020 kommen wird.

Dagmar Schlaubitz stellte dann den Teilnehmer noch anheim, sich Gedanken zur Forderung nach einer Kammer für die Physiotherapeuten bzw. der Gesundheitsfachberufe zu machen. Hier bestünde leider zwischen den Verbänden noch kein Konsens. Sie hoffe aber, dass dieser bald gefunden werde, da sie eine deutliche Verbesserung der Standesvertretung durch eine Kammer sehe. 

Positiv aufgenommen wurde auch in den Reihen der Anwesenden, meist Mitglieder von VPT und PHYSIO-DEUTSCHLAND die Überlegungen und Schritte zur Fusion der beiden Verbände.

Zum Schluss erläuterte Dagmar Schlaubitz in einem interessanten Vortrag die Faktoren, welch in der Gehaltskalkulation einzubeziehen sind und verdeutlichte dies auch an einigen praktischen Berechnungen.

Sie forderte auch, dass die höhere Vergütung unserer Leistungen auch in einer höheren Entlohnung unserer Mitarbeiter münden muss. Die aktuellen Zahlen belegten hier noch einigen Nachholbedarf.

Pünktlich um 19 Uhr schloss die Veranstaltung und erste Reaktionen und Rückmeldungen zeigten eine hohe Zufriedenheit der Teilnehmer.

 

Dachorganisation der Heilmittelverbände DOH-RP

In der Dachorganisation der Heilmittelverbände in Rheinland-Pfalz (DOH-RP) e.V. haben sich die Landesverbände der beiden größten Verbände in der Physiotherapie PHYSIO-DEUTSCHLAND, Landesverband Rheinland-Pfalz/Saarland und Verband Physikalische Therapie (VPT) zusammengeschlossen, um die Interessen der Heilmittelerbringer weiter zu bündeln. Hinzu gekommen ist der Verband Leitender Lehrkräfte an Schulen für Physiotherapie e.V. Landesgruppe Rheinland-Pfalz (VLL RP).  Die Organisation ist seit 2016 aktiv und als Verein eingetragen. Weitere Informationen sind auf der Internetpräsenz der DOH-RP zu finden: www.doh-rp.de.

Die Aufnahme weiterer maßgeblicher Verbände aus Physiotherapie, Ergotherapie, Logopädie und Podologie ist angestrebt.

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